Angst vor dem Finanzamt?

Menschen, die sich mit dem Steuerrecht auskennen, sind cool!

Zum Jahreswechsel steht wieder die Steuererklärung an – für viele eine schweißtreibende Angelegenheit. Sie fühlen sich wie Angeklagte vor Gericht und haben Angst vor den Finanzbeamten. Warum eigentlich? Wir haben das Finanzamt Ost in der Nordkanalstraße besucht, um die Menschen, die dort arbeiten, persönlich kennen zu lernen.

Wir sind sehr sympathischen Mitarbeitern begegnet, die uns gerne aus ihrem Berufsalltag erzählt haben. Sie wissen, dass ihr Beruf bei anderen Angst auslöst, denn sie merken es täglich in den Gesprächen, die sie mit vielen verunsicherten Menschen führen. Sie selbst finden ihren Job allerdings wunderbar und arbeiten gerne im Bereich Steuerrecht. Es geht dabei entgegen aller Erwartungen weniger um Zahlen und Rechnen, sondern vielmehr um Richtlinien und Gesetzestexte. Sie verstehen sich daher eher als Juristen denn als Mathematiker, da sie zu prüfen haben, ob alle ihrer Steuerpflicht dem Gesetz nach richtig nachkommen. Daran sollte uns allen gelegen sein, denn nur so kann unserer Sozialstaat funktionieren, von dem wir alle profitieren.

Niemand beim Finanzamt erwartet, dass wir Ottonormalbürger Steuerexperten sind, daher dürfen wir jederzeit anrufen und fragen, wenn wir unsicher sind. Die Mitarbeiter geben gerne Auskunft. Sie sind auch darin geschult, Zusammenhänge zu hinterfragen. „Manchmal müssen wir regelrecht Detektiv spielen, um zu verstehen, was ein Anrufer von uns wissen möchte“, erklärt uns Amtsinspektorin Silke Heitmann mit einem Schmunzeln. Große Schwierigkeiten haben die meisten Steuerzahler mit dem Fachvokabular, so dass die Mitarbeiter es verständlich und umgangssprachlich erklären, bis der Laie versteht, worum es geht und wie er seine Steuererklärung korrekt ausfüllen muss. „Wir nehmen das Fachchinesisch unter uns aber auch mit Humor“ stellt Steuerobersekretär Ümit Kurt klar. „Meistens gibt es für die Fachbegriffe sogar noch herrliche Abkürzungen und so können interne Dialoge zwischen zwei Kollegen ganz schön witzig klingen.“ „Zum Thema Kommunikation bringt Vorsteher Berndt Puff noch einen wichtigen Aspekt ein: „Unsere allgemeinen Vordrucke für die schriftliche Korrespondenz sind bundesweit einheitlich formulierte Briefe, die wir in dieser Form verwenden müssen. Sie werden allerdings zum größten Teil in anderen Bundesländern verfasst. Das erklärt, warum so manches Schreiben für uns Norddeutsche recht deftig und streng klingt und nicht höflich hanseatisch.“ Es sind wahrscheinlich eben diese Schreiben, die bei vielen Bürgern die Angst auslösen. Wer sich nach einer Erinnerung oder Mahnung schon mal getraut hat, zum Hörer zu greifen, konnte sicherlich feststellen, wie freundlich und hilfsbereit die Hamburger Finanzbeamten sind.

Diese angenehme Atmosphäre wirkt sich natürlich auch auf den Berufsalltag aus. Das Miteinander im Kollegium ist ebenso unbeschwert und entspannt, so dass sich auch junge Menschen hier wohlfühlen und sich für eine Ausbildung in der Verwaltung entscheiden … und am Ende sogar gerne bleiben. Silke Heitmann und Ümit Kurt gehören zu einem der Ausbildungsteams und freuen sich über den Nachwuchs. Sie geben ihr Wissen gerne weiter und lassen ihre Azubis schon früh an echte Fälle ran. Man merkt ihnen die Freude an ihrem Beruf an, denn sie kommen authentisch und begeistert – nicht nur – bei den Azubis an.

Grundsätzlich ist man im Finanzamt um einen serviceorientierten Umgang mit den Kunden bemüht, doch die Unterstützung hat ihre Grenzen – nämlich genau dort, wo die Leistung der Steuerberater beginnt. Ein einfaches Bild hilft hier vielleicht als Antwort:
Wenn wir im Supermarkt fragen, wo die Schokolade liegt, zeigt ein Verkäufer uns gerne das Süßigkeitenregal und weist zudem auch auf besonders günstige Angebote hin. Er würde aber keine individuelle Ernährungsberatung abgeben und uns in die Obstabteilung schicken.

Bürgerservice: die IAS
Insgesamt kommen auf rund 250 Kollegen im Finanzamt ca. 100.000 Steuerpflichtige, d.h. persönliche Gespräche mit dem jeweils zuständigen Sachbearbeiter sind nicht immer möglich. Daher wurde eine Informations- und Annahmestelle mit top geschulten Mitarbeitern eingeführt. Hier können mehrere Anliegen zu allgemeinen und einfachen steuerlichen Angelegenheiten sowie zu steuerverfahrensrechtlichen Fragen ganz ohne Termin und ohne Beachtung besonderer Zuständigkeiten in einer Dienststelle erledigt werden – einfach reinkommen und drankommen. Meistens können hier bereits die ersten Hürden der Steuererklärung genommen werden. Auch werden bei der persönlichen Abgabe der Steuererklärung die Unterlagen noch vor Ort auf Vollständigkeit geprüft.

Persönlicher Kontakt
IAS Wandsbek in der Hammer Straße 34, 22041 Hamburg (Erdgeschoss). Postanschrift: Nordkanalstr. 22, 20097 Hamburg:

Montag
geschlossen
Dienstag
7-14 Uhr
Mittwoch
geschlossen
Donnerstag
8-18 Uhr
Freitag
8-12 Uhr

Elektronischer Kontakt
Wer den elektronischen Weg bevorzugt, kann selbstverständlich auch eine E-Mail schreiben an FAHamburgOst@finanzamt.hamburg.de. Bitte immer Name, Adresse und Geburtsdatum oder die Steuer-ID/bzw die Steuernummer (soweit vorhanden) in der E-Mail nennen, damit das Anliegen richtig zugeordnet werden kann.
Das Portal für die elektronische Steuererklärung ELSTER ruft man über www.elster.de auf.

TIPP
Geld zurück
Wer als Angestellter bislang keine Steuererklärung gemacht hat, hatte bislang auch nie Ärger mit dem Finanzamt. Der Grund: Wahrscheinlich hat er zu viel bezahlt. Eine Steuerklärung ist gar nicht so schwierig, dafür oft lohnend.

Folgende Punkte kann man beispielsweise steuerlich geltend machen:

• Fahrtkosten zur Arbeit
• Weitere berufliche Kosten als Werbungskosten
• Sonderausgaben wie die Kirchensteuer und Versicherungsbeiträge als Vorsorgeaufwendungen.
• 20 % der Arbeits- und Fahrtkosten für Putzhilfen oder Aufwendungen für Hausmeister oder Winterdienst

Für diese sogenannte freiwillige Steuererklärung hat man vier Jahre Zeit, d.h. in 2020 kann man noch seine Steuerklärungen für 2019, 2018, 2017 und 2016 abgeben! Die Vordrucke dafür gibt es im Internet oder bei der IAS .

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