Fremdgehen – Betrug oder Befreiung?!

Oder die zwei Seiten der Medaille

Fremdgehen kann der Anfang vom Ende sein. Für mutige Men-schen ist es jedoch auch das Ende eines Irrtums und der Neuan-fang einer tiefen und aufrichtigen Verbindung.

Fremdgehen scheint zu unserer Gesellschaft zu gehören, wie die Nationalhymne zur Fußballweltmeisterschaft. Mein Nachbar ist fremdgegangen. Seine Frau auch. Ihre Schwester ebenfalls. Eben-so der Bäcker, der Metzger, die Krankenschwester und die Pfarre-rin. Scheinbar tun es alle. Gleichzeitig sind wir entrüstet. Ent-setzt. Bestürzt. Wir reden hinter hervorgehaltener Hand und urtei-len. Anderseits schwören wir uns immer noch ewige Treue. Wir glauben daran oder hoffen zumindest darauf. Der Wert wird hoch gehalten, doch keiner zeigt uns, wie es geht. Wenn du dir erlaubst neu zu denken, kannst du Treue neu denken. Denn die Treue ei-nem anderen Menschen gegenüber beginnt immer bei dir selbst. Was benötigst du, um dir selbst treu zu sein? Um ein Leben zu führen, indem du ganz sein kannst, wer du wirklich bist? Diese Fragen scheinen so banal und sind doch so essentiell.

Letzten Sommer war ich in der Wüste, am anderen Ende der Welt. An einem Ort der gegensätzlicher nicht sein könnte. Ob-wohl die Sonne brennt, ist die Luft kalt. Weit und breit sind nur Stein und Erde zu sehen, gleichzeitig wachsen blühende Pflanzen. Auf der einen Seite der Straße siehst du braune Felsen, auf der anderen Seite schneebedeckte Berge. Es scheint grotesk. Alles existiert gleichzeitig. Warum beschreibe ich das? Was hat das mit Fremdgehen, Treue und Untreue zu tun? Für mich verdeutlicht dieses Naturschauspiel, dass es nicht nur warm oder kalt, Schnee oder Steppe, richtig oder falsch gibt. Vielmehr ist alles zur glei-chen Zeit vorhanden. Und ich habe die Wahl, worauf ich meinen Blick richte. So kann dies auch in punkto Treue sein. Kann Treue nicht bedeuten untreu zu sein? Und kann Untreue nicht bedeuten treu zu sein? Ich habe sowohl in meinem Leben als auch in der Arbeit mit meinen Klienten beides vielfach erlebt.

Als Betrogene/Betrogener wirst du meine Sichtweise möglicher-weise nicht mögen. Du bist verletzt, wütend oder zornig. Du er-wartest Mitgefühl, Gerechtigkeit oder denkst gar an Rache. Diese Gefühle sind da und sie stehen dir zu. Ich möchte dich heute je-doch einladen neu zu denken. Treue und Untreue einmal anders zu betrachten. Ganz so als würdest du die Straßenseite wechseln, um einen neuen Blick auf das dir so bekannte Stadtbild zu erhal-ten. Schon Einstein sagte, wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, muss sich nicht wundern, wenn er bekommt, was er schon immer erhalten hat. Das kann in deinem Fall der Schmerz, die Verletzung und dein Leiden sein. Bist du bereit et-was Neues in deinem Leben zu erfahren? Möchtest du wachsen und alte Wunden hinter dir lassen? Dann frage dich nicht, „was hat mein Partner mir angetan?“ Frage dich stattdessen, „was habe ich mir angetan?“. Was spiegelt mir mein Gegenüber? In wel-chem Bereich meines Lebens bin ich mir selbst untreu geworden?
Hast du hingegen betrogen, dann hör auf dich mit deinem schlechten Gewissen zu beschäftigen. Versuche nicht mehr dein Verhalten zu rechtfertigen, indem du die Fehler bei deinem Part-ner suchst. Frage dich vielmehr: „Wovor habe ich Angst?“ Wovor laufe ich weg?“ „Was hält mich noch davon ab, mich zu öffnen und mich meinem Gegenüber ganz zu zeigen, so wie ich bin? Mit all meinen Wünschen, Sehnsüchten und Träumen. Mit allem was zu mir gehört.“
Wenn du dir treu bist, dann kannst du auch einem anderen Men-schen treu sein. Umgekehrt gilt, bist du dir treu, so wird dir auch dein Gegenüber treu sein. Du hast die Wahl. Möchtest du im alten Denken verharren und im Verurteilen stecken bleiben? Oder er-laubst du dir, Treue neu zu denken? Fremdgehen muss kein Grund sein, um ewig zu leiden oder dein Herz für immer zu ver-schließen. Fremdgehen kann zu einer Chance werden. Du hast die Möglichkeit, dir selbst neu zu begegnen. Du hast die Chance dich selbst besser kennen zu lernen und die Möglichkeit zu vergeben. Wie das geht, fragst du dich? Zeige dich. Mit deiner Schuld, dei-ner Trauer, deinem Schmerz, deiner Wut oder deiner Angst. Denn diese Gefühle stecken meist dahinter, wenn wir uns selbst ver-leugnen. Unabhängig davon, ob wir betrogen haben oder betrogen wurden.

Ich möchte dich ermutigen Treue neu zu denken. Beginne bei dir anstatt zu verurteilen. Sei mutig und ehrlich – zuallererst zu dir selbst. Verlasse deine Opferrolle und übernimm Verantwortung. Für dich. Für deine Gefühle. Sei dir treu, zeige dich, stehe zu dir und teile dich mit. Denn du hast es verdient.

Herzlichst,
Jasmin Christina Bühler
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