Alltagsspagat

Der Alltagsspagat von Jenny Frank-Koppenhagen: Bloggerin, Kaffeetrinkerin, Frau, Mutter, Tochter – lebt mit ihrer Familie in Barsbüttel.


Ausgabe 4/2020

SCHWESTER NATASCHA

Egal, ob es eine Pandemie gibt oder nicht. Krankenschwestern haben schon immer einen Arsch voll Arbeit gehabt. Egal welches Jahrhundert, egal welches Krankenhaus.

Sie waren und sind immer einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen eine Krankenschwester zu sein, es war nie mein Berufswunsch. Damals, als jeder noch dachte, „was mit Menschen“ wäre toll.

Natascha ist mittlerweile eine gute Freundin geworden, kenne ich sie doch schon aus der Grundschule meiner Tochter. Sie ist witzig und laut und herzensgut und direkt und verletzlich und stark und Mutter und Ehefrau und berufstätig.

Natascha hat genau wie jede Frau (vlt. auch jeder Mann) hin und wieder Fragen ans Leben. Fragen an Gott oder Fragen an sich selbst. Dabei geht sie ihren Weg geradeaus, mehr als ich. Trotzdem schwankt sie ab und zu. Und das ist ok. Natürlich ist das OK. Sie geht ihren Weg in die richtige Richtung und fragt sich dennoch viel zu oft, ob es die richtige Richtung ist.

Aber das tu ich auch. Ich frage mich häufig, ob das die richtige Richtung ist. Aber diese Frage sollte nicht unser Leben bestimmen, sonst fragen wir nur noch und gehen gar nicht mehr.

Natascha hat eine Tochter, ein Pubertier und einen blinden Ehemann. Diese Verantwortung hat sie aus Liebe übernommen. Sie hat die Verantwortung für ihre Patienten und für ihr Kind und für ihren Mann. Sie alleine. Trotz Angst, macht sie das alles alleine. Verantwortung tragen. Sie lädt sich manchmal wirklich viel Verantwortung auf. Ich würde ihr diese gerne abnehmen. Aber wenn ich sehe, wieviel Mut sie dabei entwickelt, trotz immenser Verantwortung, sehe ich, dass sie gar keine Hilfe braucht. Kein Mitleid. Kein Bedauern.

Sie braucht auch keinen Applaus vom Balkon. Sie braucht einfach nur Respekt. Vielleicht auch etwas Unterstützung. Und mehr Gehalt. Ganz wirklich, wer hat sich ausgedacht, dass Krankenschwestern und Pflegepersonal nur so wenig Geld bekommen sollen?

Sie arbeitet als Festangestellte und dann noch als Aushilfe, sonntags und feiertags, um auf das Geld zu kommen, was sie verdient! Sie fährt mit ihrem Mann und Kind dennoch in den Urlaub, organisiert den Tagesablauf ihres Mannes. Hat Spätschichten und übernimmt dann noch andere Schichten von Kolleginnen und Kollegen, die krank geworden sind. Nur um dann abends mit schmerzenden Füßen auf der Couch zu sitzen und sofort einzuschlafen.

Meinen Respekt hat sie. Und zurecht hinterfragt sie sich, ob das jetzt alles war. Ob da noch etwas kommt. Mit dieser Verantwortung und diesem Tagespensum hat sie sich jegliche Fragen und Pausen verdient. Sie hat es auch verdient abends auf der Couch zu weinen und dennoch am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen. Weil sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist, läuft sie nicht weg, auch wenn sie das vielleicht manchmal möchte. Sie stellt sich ihrer Angst und Aufgaben. Das finde ich bewundernswert. Sie kann sich auf ihr Verantwortungsgefühl verlassen, auf Ihr Wissen als Krankenschwester und ihre Empathie. Auf ihren moralischen Kompass.

Ich wäre auch gerne etwas mehr wie Natascha, trotz Angst möchte ich mich auch den Aufgaben stellen, stattdessen habe ich es perfektioniert, Lösungen in der Flucht zu sehen. Lieber etwas Neues machen, als bei dem Alten aufzuräumen. Statt versuchen, lieber abbrechen.

Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet; kämpfen, flüchten, Neuanfang, altbewährt oder etwas ganz anderes. Für jeden ist Platz auf dieser Welt, keiner kann euch das streitig machen.

Macht weiter so!


Ausgabe 3/2020

NACH KRANK KOMMT GESUND

Neulich im Krankenhaus

Ich musste operiert werden. Vorgespräche mussten geführt werden, Blut musste abgenommen werden und man musste unterschreiben, dass wenn man doch stirbt, das Krankenhaus keine Schuld hat.

Ok, das macht man ja auch alles, weil man ja nicht davon ausgeht, dass man stirbt.

Ich kam also zum OP Tag pünktlich in die Vorbereitung. “ Ziehen Sie sich schon mal aus. Alles bitte. Dann alles in die Kiste hier.“

Ähm, ja, ok. Das Zimmer war kalt, die Kiste war Mausgrau und Socken durfte ich auch nicht anbehalten.

Dann liegt man da in dem Bett, mit dem man auch in den OP gerollt wird. Das olle Laken mit dem man mich zugedeckt hatte, hat mich auch nicht warm gehalten.

Der Pfleger, der mich in den Keller brachte, machte noch ein paar Witze über meinen Namen und dann stand ich auch schon im „Schlachthaus“.

Der Keller war bis unter die Decke gefliest und es roch nach Desinfektionsmittel. Man fragte meine Daten ab und dann war ich allein. Ohne Brille und konnte nichts sehen.

Keiner sprach mit mir, obwohl dort viele Leute rumrannten. Keiner fragte, ob alles ok ist.

Ich denke, es war alles ok. Was sollte ich auch tun, fast nackt und blind im Keller.

Dann wurde ich von Bett A ins Bett B gerollt. Haube auf und weiter zur Narkose.

Dort waren wusilige Schwestern und es roch ein wenig nach Kaffee. Haben die Schwestern wohl grad getrunken. Ich durfte ja nichts trinken.

Dann wurde ich oben rum frei gemacht, ein Zugang wurde im Arm gelegt. Da ich müde war und mich nicht sonderlich aufregen wollt, lag ich einfach nur rum. Barbusig und wartend.

Die Schwester schaute mich an und fragte, ob ich ein Beruhigungsmittel genommen hätte, weil mein Puls so extrem ruhig sei. Ich meinte nur, ich bin müde. Sie sah etwas besorgt aus, aber gut, was hätte ich tun sollen, tanzen!?

Dann kam endlich die Narkoseärztin. In einem Redeschwall, sagte sie mir, dass jetzt ein Hammerschmerzmittel in meine Adern gepumpt wird, dass der Arm taub wird und danach gleich das „Schlafmittel“ kommt. Warum nicht andersrum, dachte ich mir noch.

Die nach Kaffee riechende Schwester lachte mich an und setzte mir so eine Maske auf, dadurch bekam ich keine Luft, sie sagte, brauche ich auch nicht sonderlich, ich bekomme ja gleich Sauerstoff und schlafe.

Und weg war ich. Ich weiß nur noch, dass ich extrem angepisst und schmerzverzerrt aufwachte. Die Schwester im Aufwachzimmer pumpte mir gleich noch mal Schmerzmittel nach. Schrie mich an, ich soll atmen, weil mein Monitor wild rumpiepste. Aber ich atmete doch, ich war ja auch wach geworden.

„Ist Ihnen schlecht?“ fragte sie. Nein, sagte ich. „Hier, nehmen Sie die Tablette gegen Übelkeit.“ Aber mir ist nicht schlecht, wiederholte ich. Und dann nahm ich die Tablette gegen Übelkeit.

Ich lag dann endlich auf meinem Zimmer. OP war überstanden, Schmerzen im Griff.

Ich war froh neben dem Fenster im Zimmer zu liegen. Eine alte Dame lag an der Tür, das mittlere Bett war frei.

Ich dachte noch so bei mir, endlich ausruhen und die Familie anrufen. Vielleicht was trinken.

Und dann lernte ich Frau Kasper kennen. Ich war zum Glück nur zwei Nächte im Krankenhaus, davon habe ich zwei Nächte nicht geschlafen. Nicht am Stück.

Frau Kasper war 94 Jahre alt und erzählte jedem, der es nicht hören wollte, wie sie ins Krankenhaus gekommen ist und was sie hatte.

Ich wollte eigentlich nur gesund werden. Das ist im Krankenhaus wirklich nicht möglich.

Obwohl alle ihre Arbeit gemacht haben und die Nachtschwester echt richtig, gutes Zeug verteilt hat. Möchte ich erstmal nicht wieder ins Krankenhaus.

Ich bin jetzt wieder gesund und weiß, wo ich hin möchte, wenn es wirklich einen Notfall geben sollte. Aber lieber bin ich zu Hause auf dem Balkon, mit Blick auf den Sonnenaufgang am Sonntagmorgen.


Ausgabe 1/2020

ZWISCHEN TUPPER PARTY UND PUBERTIER

Als eine Freundin fragte, ob ich zu ihrer Tupper Party möchte, habe ich erstmal überlegt. Ich bin eigentlich nicht so der Tupper Typ. Aber ich wollte der Veranstaltung auch eine Chance geben. Zugegeben, einige Sachen sind wirklich gut.

Der Abend nahte, ich kam zu spät. Die Mädels saßen alle mit Sekt und gut gelaunt auf der Couch. Es roch lecker nach Essen in der Wohnung. So habe ich mir das vorgestellt.

Alle waren gut drauf, der große Esstisch stand voll mit Tupper Ware und in allen Farben dieser Welt. Ich war etwas geschockt, wieviel Tupper Zeugs es wirklich gab. Braucht man das alles? Wozu?

Diese Fragen sollten an diesem Abend alle geklärt werden. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde. Die Damen waren „heiß“ auf „tuppern“.

Ich gesellte mich dazu und nahm ein Schluck Blubberwasser zu mir. Los geht‘s.

Als erstes stellte ich fest, dass ich keine Ahnung von Fachbegriffen hatte, wie „Pengschüssel“ oder „Schüttelbecher“. Ich war also der Neuling unter den Damen.

Leicht belächelt wurden mir also alle Begriffe erklärt. Dann machte es auch alles Sinn.

Ich bin dahin gegangen mit der irrigen Annahme, ich würde nichts kaufen. Das ist wie zu Ikea fahren und keine Teelichter kaufen wollen. Man fährt hin, also kauft man auch was!

Nach ausführlichen Erklärungen der Hälfte der Produkte, die auf dem Tisch standen, sagte die Gastgeberin: „Essen ist fertig.“

Alles wurde in Tupper „gekocht“. Es roch gut und es schmeckte noch viel besser. Völlig beindruckt von den ganzen Sachen, fragte ich dann zaghaft nach einigen Preisen. Mir ist das Essen wieder von der Gabel gefallen.

Gut, Qualität hat eben ihren Preis. Gekauft habe ich, unter anderem, eine Silikon Backmatte für den Ofen. Ich wollte eben kein Backpapier mehr verwenden, man kann aber auch Biskuitboden damit backen und aufrollen. Kann ich schon mal nicht, aber Pommes darauf backen, das kann ich.

Dann kamen wir zu einer „Schüssel“ die ich seit Jahren hatte, aber nie wusste, was genau das Wunderding konnte. Was soll ich sagen, ich koche keine Kartoffeln mehr auf herkömmlichem Weg. Das geht in der „Schüssel“ viel schneller und besser. Was hab ich nur Jahrelang ohne das Teil gemacht?

Das Pubertier wird ab sofort schnell und effizient mit Essen versorgt. Die Schüssel kann alles garen. Ich kann mich noch erinnern, als sie klein war und zwischen einem leisen Wimmern, weil Hunger und der totalen Katastrophe, meist nur Minuten lagen. Das ist heute als Pubertier nicht anders, sie weint zwar nicht mehr, aber ein Schwall an Schimpfwörtern erwartet mich schon, wenn das Essen nicht schnell genug fertig ist.

Also mit der „Schüssel“ hab ich schon mal alles richtig gemacht.

Nun ja, am Ende meines Glases angekommen und doch Sachen gekauft, wurde ich dann auch noch Gastgeberin für die neue Tupperparty bei mir zu Hause. So kann´s kommen.

Ein Tipp an die Muttis, eine Tupper Party ist eine Win Win Situation für alle. Erspart euch Zeit beim Kochen für die Pubertiere und/ oder Männer und ihr habt Spaß mit euren Mädels.

Und mal ehrlich, Plastik hin oder her, 30 Jahre Garantie und BPA frei. Lieber den „Tupper Cup to Go“ als den Pappbecher vom Bäcker.

Weihnachten steht vor der Tür, rettet Leben, macht Tupper Partys! Tupper gibt es auch in Rahlstedt!


Ausgabe 4/2019

DEN KOPF FREI BEKOMMEN

Dieses Jahr stand ein langgehegter Wunsch ganz oben auf meiner To-do-Liste: Schottland.

Wandern und Loch Ness besuchen.
Gesagt. Getan.
Ich kann es nur damit beschreiben, dass es bewusstseinsverändernd war.
Ich habe viel gelesen und natürlich Bilder gesehen. Auf der Insel war ich auch schon, aber abseits vom Trubel eben noch nie.

In Edinburgh bin ich gelandet, dann nach Inverness mit dem Zug. Von dort war der erste Tagesmarsch geplant.

Um 7 Uhr ging es los. Durch den Ort Inverness entlang eines Kanals, der direkt in den Loch Ness führte.
Nur mal so erwähnt: Der Bus brauchte von Inverness zum Loch Ness nur 20 Minuten.

Ich habe über 5 Stunden zu Fuß gebraucht.

Also, die erste Stunde ging es nur bergauf. Das war irgendwie nicht das, was ich erwartet habe. Ich meine, ich kann keine Höhenangaben wirklich gut einschätzen. Ist ein Frauending vermute ich.

Also, schwitzend und schnaufend den ollen Berg hoch. Schottland ist sehr bergig, nicht alle Berge sind sehr hoch, aber mit Gepäck und anderer Erwartung eben doch ein klein wenig anstrengend.

Es regnete immer so eben weg, der schottische Sommer eben.

Zum Glück war der Weg gut ausgeschildert und die Schuhe haben dem Regen standgehalten.

Ich habe keinen Redbull mehr getrunken, nachdem die drei vor der Null stand. Aber an dem Tag hatte ich einen dabei. Leicht zögerlich, weil Angst vor Herzattacken, trank ich diesen. Wohl gemerkt nach der ersten Stunde schon.

Der Ausblick beim Trinken war atemberaubend. Alles war grün und roch nach frischem Regen.

Es ging durch ein ausgedehntes Waldstück. Mein Regencape ruschelte lustig vor sich hin und bei diesem sonoren Geräusch versank ich in meinen Gedanken.

Mein Rucksack schnürte mir die linke Schulter ab. Das tat weh, sogar sehr. Egal. Weiter.

Dann habe ich meine Ader für Farne und Moos entdeckt. Viele Fotos später, waren immer noch genügend Farne und Moose da.

Der Rucksack tat immer noch weh. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie ich ihn noch aufsetzen sollte?!

Das war aber nicht das größte Problem. Das war der Drang in die Büsche zu müssen und nicht zu wissen, wie viele Wanderer noch den Weg gingen. Schließlich habe ich ein Zelt im Wald gesehen und keine Ahnung gehabt, ob da jemand drin war, oder der eben auch in den Büschen hockte. Also nach ca. einer Stunde aushalten, ging es nicht mehr. Es regnete noch. Alles war nass, dann war das Hinhocken in die nassen Büsche auch kein Thema mehr. Erledigt.

Ich war ein wenig stolz auf mich, dass ich weder hingefallen bin, noch das ich mehr nass gemacht hätte, als es eh schon war. Aber es ist kein schönes Gefühl, die nasse Hose über die nassen Beine zu ziehen und zu wissen, dass man vor abends auf gar keinen Fall mehr trocken wird.

Der Rucksack war kein Thema mehr, als ich merkte, dass mein Knie Zicken machte.

Ich wollt es ignorieren, aber es ging nicht. Da wusste ich noch nicht, dass die letzte Stunde des Marsches nur bergab ging und zwar bei 35% Gefälle.

Die Schmerzen beim Wandern begleiteten mich also stetig. Der Regen war mir mittlerweile egal geworden. Hunger und Durst waren auf einmal nicht mehr wichtig.

Gehen war wichtig. Ankommen. Nicht umknicken.

Mit dem Schmerz ging ich also einige Stunden. Bis ich zu einer Lichtung kam. Aus dem Augenwinkel sah ich ein Reh. Es stand so dicht, dass ich alle Details erkennen konnte. Es ging eine Weile mit mir. Was für ein Gefühl mit der Natur alleine zu sein.

Nur war ich nicht alleine. Zwei Meter hinter mir, ging das Pubertier, was in groben Abständen rumgrummelte. Zwei Meter vor mir der Mann mit Karte und Navi.

Was soll ich sagen. Kopf frei bekommen geht anders.

Schön war‘s trotzdem, ich würde es immer wieder machen. Vielleicht wirklich mal alleine.


Ausgabe 3/2019

WONACH SUCHE ICH?

Immer wieder gehe ich meine Zukunftspläne durch. Suche nach Fehlern und versuche sie zu beheben.

Immer wieder sage ich mir, dass der Weg nicht einfach ist und einfach nicht das ist, was mich ausmacht.

Suchen ist etwas was ich eigentlich nicht ausstehen kann. Ich finde lieber.

Aber was ist, wenn das Finden so unendlich lange dauert. Was ist, wenn in meiner Brust ein Ticken zu hören ist und ich nicht weiss wann es aufhört?

Habe ich am Ende nur das Suchen unterstützt und gar nichts gefunden?

Oder habe ich bereits alles gefunden und weiß es nur nicht.

Wonach genau suche ich eigentlich? Ohne Ziel vor Augen, kann es gut mal sein, das ein Individuum den Sinn des Lebens vergisst. Es sich im Kreis dreht und eben ziellos durch die Welt irrt.

Aber ich möchte nicht irren, ich möchte ein Ziel haben und ich möchte im Endeffekt glücklich sein. Glücklicher als jetzt. Ich bin nicht unglücklich. Aber ziellos. Das fehlt eben noch zu meinem Glück.

Mehr schreiben, weniger schlafen, mehr leben, mehr teilen, mehr Ziele. Und diese erreichen.

Weniger Schreibblockaden. Mehr Kreativität. Ich wünsche mir so viel und kann doch nicht alles erreichen. Prioritäten setzen. Auch das kann ich sehr gut. Auf mein Bauchgefühl hören.

Ich höre seit einiger Zeit wieder sehr stark auf mein Bauchgefühl.

Und ich muss sagen, es gefällt mir. Aber mein Bauch ist Sprunghaft und intuitiv. Gefühlsverwirrt.

Aber ich brauche eben Klarheit und Ziele. Also was tun um beides zu erreichen.

Ich traue meinem Bauch ganz viel zu und schreibe auf was er entschieden hat und notiere dazu was mein Kopf gewollt hat.

Probiert es mal aus. Es ist nicht dumm was dabei rauskommt. Ich habe mit dieser Methode viele Ergebnisse auf ihre “Richtigkeit“ geprüft. Also mein Richtig. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Jetzt muss ich mich bei scheinbar großen Entscheidungen schon etwas länger damit beschäftigen. Ich muss mehr abwägen und mehr aufschreiben und mehr recherchieren.

Was hilft mir wieder enorm dabei? Der Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Erfahrungen austauschen und Ergebnisse abgleichen.

Und das sage ich, als nicht Team Player. Aber vielleicht habe ich nicht immer im richtigen Team gespielt, so dass ich diese Softskills nie korrekt erproben konnte.

Aber mit dem richtigen Team und meiner Methode Ergebnisse zu eruieren, gelingt mir fast alles.

Falls bei euch ein großes Problem im Raum steht, probiert meine Methode.

Hier noch mal die Anleitung dazu:

  1. Aufschreiben wie Probleme in der Vergangenheit gelöst wurden.
  2. Wie fühlte sich die Lösung an?
  3. Falls gut, dann Problem mit gleicher Energie lösen.
  4. Falls schlecht, Freunde fragen wie sie das Problem lösen würden.
  5. Problem lösen.

Und genauso einfach ist es wirklich. Macht keinen riesen Akt daraus.

Nehmt es so wie es ist. Eine Herausforderung, die ihr bewältigen wollt.

Und macht es.


Ausgabe 2/20219

PROJEKT ALPHA

Meine Tochter steckt in der Pubertät. Es ist noch nicht total dramatisch, aber es geht langsam los.
Dennoch haben wir eine wirklich enge Kommunikation zueinander.
Wir haben das Projekt Alpha ins Leben gerufen, dass uns beide beschäftigt, woraus andere lernen und wir Zeit miteinander verbringen können.

Wir schreiben an einem Kinderbuch. Ab der 5. Klasse kann es gelesen werden und vielleicht auch verstanden.

Zumindest hoffen wir das. Das Kind illustriert. Und das darf sie, weil sie wirklich gut zeichnen kann und nicht weil ich die Malsachen als Mutter toll finden muss.

Die Idee kam von mir, die Titelhelden vom Kind.

Jedes Elternteil, dass dem eigenen Kind ein Mobiltelefon ermöglicht, will das das Kind dieses Mobilteil auch benutzt.

Um, genau, anzurufen. Wenn das Kind nachm Sport mit den anderen Kiddos noch trödelt, hätte Mami doch gerne eine Info. Einen Anruf. Mir geht’s gut, komme später. Oder ne SMS. Oder ne Whatsapp.
Irgendwas.

Ich habe meinem Kind schon früh ein Handy gegeben. Weil sie in ein anderes Dorf musste. Also, Handy her, erklärt und los.

Wisst ihr wie viele Gedanken pro Minute durch den Kopf rasen, wenn Kind nicht wie besprochen mit dem 11 nach Bus kommt, sondern gar nicht.
Es auch nicht ans Handy geht, weil das aus ist.

Millionen. Also hektisch, fast panisch ins Auto und die Busstrecke abgefahren. Kind gefunden.

Handy war aus, weil man den sehr großen Knopf zu lange gedrückt hat. Bus verpasst, weil man getrödelt hat.

Ich wütend aber erleichtert. Kind heult. Super.

Sie war in der 5. Klasse. Im Nachbardorf. Man hätte zu Fuß gehen können. Hätte.

Also. Das Buch handelt vom Erreichbar sein. Weil Mami und Papi sonst sterben vor Sorge.

Weil es mit einem Kind für Kinder formuliert wird, hoffe ich, kommen nicht zu viele Gewaltszenen vor. Und ja Liebe Eltern, bevor ich mein Kind mit dem Auto hole und bringe und hektisch alles schaffen muss, fährt es Bus und bekommt son doofes Handy.

Lieber erkläre ich wie ein Handy funktioniert und wie viele Gedanken man sich als Elternteil macht, als Stress für alle zu veranstalten, weil man mit dem Auto nicht direkt vor der Schule parken kann oder es dem Kind peinlich ist und man sonstwo im Wald stehen muss.

Das Kind muss Selbständigkeit lernen und ich muss Leiden und alle müssen sehen,dass am Ende alles gut geht. Auch wenn die Nachrichten was anderes sagen und nicht jedes Kind, trotz Handy, ankommt.

Macht nicht die Augen zu. Redet mit euren Kindern und erklärt verdammt noch mal wie Handys funktioniert und zwar früh.

Und redet mit euren Kindern, dass etwas Skepsis gesund ist.

Und vor allem, erklärt euren Kindern, dass es natürlich ist, als Elternteil Angst zu haben und das die Kinder mit Hilfe von uns Großen nur lernen können was eine gesunde Portion Skepsis ist. Das wir den Kindern vertrauen, aber die Angst eben nicht einfach abschalten können. Das wir lieber dreimal am Fenster stehen und sehen, wie unsere Kinder in die Busse steigen. Aber mit viel Übung und Handytraining, wird es gehen und es wird alles gut.

Und ich meine beiden Seiten damit.


Ausgabe 1/2019

LASS ES DIR GUT GEHEN!

Ich habe diesen Tag ja leider öfter. Ich brauche „mein“ Essen, um zu funktionieren. Kennt Ihr das auch? Sei es, weil der Körper eine Belohnung braucht oder weil eben jeder Donnerstag Spaghetti-Tag ist. Rituale führen dazu, dass man eine gewisse Sicherheit verspürt. Das funktioniert bei Kindern schon gut, warum nicht auch bei uns Erwachsenen?

Es ist eh alles viel zu hektisch und stressig. Da sollten die kleinen Rituale einen festen Bestandteil in unserem Leben haben. Und Essen sollte dabei schon eine GROßE Rolle spielen. Essen verbindet. Gemeinsames Kochen festigt Freundschaften. Oder aber sich seine Lieblingsmahlzeit einmal die Woche zu gönnen. Mehr Sicherheit bedeutet auch mehr Selbstbewusstsein. Man traut sich nach und nach auch wieder mehr zu. Ich habe in der Erziehung meiner Tochter einige Bücher gelesen. Nicht alle waren hilfreich, aber zum Thema Rituale stand immer etwas Brauchbares drin. Die Muttis unter Euch können das sicherlich blind unterschreiben. Die Rituale für die Kleinen taten auch uns gut. Etwa das Baderitual und danach das Eincremen und dann das „zu Bett gehen“. Herrlich war das. Wir sind zwar mit eingeschlafen. Aber hell yeah, das hatten wir uns verdient.

Baby glücklich, Mama glücklich. Das ist heute doch auch noch so. Wenn wir glücklich sind, ist auch unser Umfeld glücklich.

Und hier die Aufgabe: Plant Euren Lieblingsnudeltag oder den Pfannkuchen-Montag, haltet das 4 Wochen durch und freut Euch über die Glückshormone, die nur so sprudeln – und über Eure Kollegen/ Freunde/ Familie, die merken wie glücklich Ihr seid und es dann auch werden.


Ausgabe 4/2018

WIR BRAUCHEN BASS

Völlig genervt habe ich “Türlich, Türlich“ von “Das Bo“ im Radio aufgedreht und laut mitgesungen. Eigentlich ist es mir peinlich laut zu singen, aber “wir brauchen Bass“ geht nun mal nicht leise. Dieses Lied hat meine Stimmung gehoben. Für einen kurzen Moment. Es hat meine extreme Aggressivität gemildert und in gute Laune verwandelt. Wie erwähnt, nur kurz.
Ich habe Signale nicht richtig gedeutet, habe meine unverblümte Art an den Tag gelegt und bin auf die Fresse gefallen. Nein, nicht immer will man meine Hilfe. Manchmal denke ich auch nur, man will Hilfe. Auch wenn ich der Meinung bin, meine Hilfe sei angebracht, heißt es nicht, dass man sie auch annehmen muss. Das ist ein Zustand an den ich mich schlecht gewöhnen kann. Es ist etwas, womit ich nicht immer klarkomme.

Warum?
Wenn ich Gejammer höre, dann denke ich, dass Hilfe erwünscht ist. Nein, man will nur Aufmerksamkeit. Nur mitleidige Blicke. Oder Verständnis? Nicht von mir. Ich habe kein Verständnis für eine selbstverschuldete Situation. Dennoch helfe ich, obwohl man nicht ausdrücklich nach Hilfe gefragt hat. Ich verurteile niemanden für den Mist, den er verzapft. Ist ja sein Mist, nicht meiner. Ich helfe nur. Kann man von mir lernen, Mist nicht immer selber zu verzapfen? Ja. Kann man. Will man das? Vielleicht.

Ich ändere etwas, um zu sehen ob dieser Weg mehr Erfolg bringt. Ich weiß nicht, ob das richtig ist, aber ich mache es einfach. Nur ein Idiot denkt, dass sich von alleine etwas ändert, wenn man gar nichts tut.

Probieren geht über Studieren, sagt man doch so schön. Scheinbar bin ich aber von Idioten umgeben, die nicht sehen wollen oder können. Vielleicht bin aber auch ich der Idiot, weil ich glaube, das etwas tun besser ist als nichts tun.

Während ich mir meine Wut von der Seele schreibe, schaut die dicke Katze ganz verwundert zu mir auf. Sie spürt scheinbar ein gewisses aggressives Potenzial. Oder es liegt daran, dass ich sie völlig entnervt und in einem höllen Tempo hinterm Ohr kraule.


Ausgabe 3/2018

KARMA

Wenn man Scheiße baut und einem daraufhin Scheiße passiert, ist das Karma.

Der Protagonist im Film eskaliert in einem Meeting völlig und kurz darauf geht seine Freundin fremd. Karma.

Ich nehme einer alten Oma die Vorfahrt, kurz darauf muss ich Überstunden machen. Karma.

Wenn jemand mich schlecht behandelt, dann lache ich, weil ich weiss das Karma, die alte Bitch, wieder zuschlägt.

Ich sage immer: “Du weisst nie, wozu das gut war.“

Es gibt Studien, die belegen, dass Fluchen gesund ist. Dies nur am Rande bemerkt.

Wenn in einem Jahr so viel Schlechtes passiert, dann gibt es auch ein Jahr in dem so unendlich viel Gutes passiert. Karma. Das ist so. Das ist nicht frei erfunden, das ist Tatsache.

Noch nicht erlebt? Glaube ich nicht.

Man kann es auf einen Tag runterbrechen, wenn man will. Sogar Stündlich passieren Sachen, die man dem Karma zuschreiben kann.

Ich kann nicht behaupten, dass ich ein gläubiger Mensch bin, aber Karma gibt es. Auch wenn ich der festen Überzeugung bin, dass man seines eigenes Glückes Schmied ist, kann man nicht alles abdecken.

Es ist immer Karma dabei. Ich versuche mein Karmakonto im Gleichgewicht zu halten. Bzw. baue ich ein Depot auf. Man weiss nie wozu das gut ist. 

Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, aber ich fühle mich gut, wenn ich Blut spenden gehe und weiss, das ich damit Leben retten kann.

Ich mache das, weil ich es will und Gutes tue. Und eventuell das Ungleichgewicht für das Beschimpfen des Autofahrers vor mir an der Ampel von vor zwei Tagen wettmacht?!

Geht es euch so? Fühlt ihr euch besser, wenn ihr etwas tut, wovon viele Menschen etwas haben? Oder auch nur ein Mensch? Mir geht es so. Es muss beschwerlich sein, dann fühlt es sich für mich richtig an. Mir geht es nach dem Blutspenden nicht gut, aber ich mache es trotzdem. Ich bin auch eine von denen, die vom DRK immer zwei Einladungen bekommen, wenn ihr wisst was ich meine. 

Vielleicht rechtfertige ich aber mit diesen guten Taten auch das Pöbeln an der Ampel oder das nicht ans Telefon gehen wenn ein Umzug ansteht. Ich weiss es nicht, ich spüre nur, dass wenn ich etwas mache was anderen hilft, ich mich wohler fühle.

Ich fühle mich allerdings auch beim Pöbeln an der Ampel super. Zwickmühle. Mehr Beleidigen oder mehr Gutes tun. Beides ist auf alle Fälle gut für das Seelenheil.

Alles raus lassen und nicht “runterschlucken“. Beim Schimpfen gibt es keine Zensur, haut raus den Scheiss.

Aber seid genauso emotional, wenn ihr Gutes vollbringt. Gebt alles.

Ich kann keinen Weltfrieden versprechen, aber wenn wir alle mehr aufs Karmakonto einzahlen, wird es vielleicht auch gut für alle sein. Verrückt.

Mehr auf www.alltagsspagat.com

Hier geht es zurück zu den anderen Kolumnen.